Ich möchte hier meine Erfahrungen niederschreiben, in der Hoffnung, alles endlich irgendwie zu verarbeiten.

 

Eineinhalb Jahre versuchte ich nun schon, ein Baby zu bekommen. Leider ohne Erfolg. Wie oft habe ich geweint, wenn wieder mal klar war, dass es wieder nicht geklappt hat. Ich dachte, ich schaffen das nie. Ich wurde von meiner FÄ zu einem speziellen Doktor überwiesen, der wenn nötig, eine künstliche Befruchtung durchführen, oder auch eventuell nochmal eine Bauchspiegelung, (die 2.) zur Überprüfung veranlassen sollte. In Hoffnung, aber auch voller Angst bin ich zu diesem Arzt gefahren. Dann die Untersuchung. „Ich kann ihnen nicht helfen! Sie sind bereits schwanger“ Ich konnte es nicht fassen. Doch dann:“ Aber, es ist Blut im Fruchtwasser“ Es wurden noch ein paar Untersuchungen durchgeführt und er kam zu dem Entschluss, dass wir eine Woche abwarten mussten, um sagen zu können, wie es weiter gehen wird. Doch diese Aussage kam bei mir einfach nicht an. Ich war so glücklich und wusste, das schaffen wir. Warum auch nicht?! Und so war es dann auch. 7. SSW, alles bestens!!! In der 10. Woche traten dann Schmerzen auf und ich bekam Ausfluss. Aber auch da hieß es, nicht schlimm, Blähbauch.

 

2 Wochen später stand dann wieder ein Ultraschall an. Ich freute mich so sehr unseren kleinen Engel zu sehen. Ich habe meinen Mann zu dieser Untersuchung mitgeschleift, wollte mein Glück teilen. Habe nie geahnt, dass ich ihn als Trost brauchen werde. Unser Engel strampelte wie ein Weltmeister. Er sah so süß aus, bis auf einen weißen, großen Fleck auf seinem Bäuchlein. Die Ärztin schallte und schallte, bis sie meinte, dass da was nicht ganz klar wäre. Die Blase war zu groß. Sie versuchte uns Mut zu machen und meinte, dass es aber auch sein kann, dass er einfach im Moment grad Pipi müsste und das sich so zeigte. Wir sollten in 2 Tagen nochmal kommen. Nach 2 Tagen das Gleiche. Die Blase war zu groß. Die Ärztin meinte, dass es sich wahrscheinlich um eine Zyste handelte. Aber sie sah auch einen Bauchdeckendefekt und meinte, dass die Innereien unseres Engelchens ausserhalb lägen. Sie erkannte auch ein Nackenödem. Sie riet uns einen Spezialisten aufzusuchen, was wir auch noch am selben Tag taten.

 

Nach einem intensiven Ultraschall, stellte dieser fest, dass die Bauchdecke völlig in Ordnung war und die Innereinen auch richtig angelegt seien. Auch die Nackenspalte, war nicht zu sehen. Jedoch hatte ich eine Trompose, in einer der Nabelschnuraterien, was jedoch nicht weiter schlimm war, da die anderen beiden völlig durchgängig waren. Jedoch die Blase gefiehl auch ihm nicht. Er meinte, sie erwarten einen Sohn. Auf dem Heimweg gaben wir ihm den Namen: Danny!!! Er wollte uns 10 Tage später wieder sehen. Doch auch da, keine Besserung. Die Blase dehnte sich weiter. Er zog seinen Kollegen, der noch mehr Ahnung von solchen Dingen hatte hinzu. Man vermutete einen Knick im Harnleiter. Es wurde ein Eingriff erwogen, in dem sie meinem kleinen Engel, einen so genannten Splint, also äußerlichen Ausgang legen wollten. Jedoch wollte auch er sich nicht weiter festlegen. Noch ein Fachmann. Ich war so verzweifelt. So hilflos. Ich konnte doch nicht einfach zu Hause rumsitzen und abwarten, bis ..... Ich ging auf eigene Faust los. Suchte den Rat in einem Krankenhaus in unserem Ort, und suchte auch einen Urologen auf. Jedoch wurden wir nur zur medizinischen Attraktion. Es wurden Ärzte in der Ausbildung zugezogen, weil die in ihrem Leben vielleicht so was nie mehr sehen werden. Mir war es egal. Ich hatte immer die Hoffnung, irgendjemand sieht irgendwas, was uns helfen könnte. Aber mir wurde nur noch mehr an Hoffnung genommen. Sie meinten, dass mein Engel nicht mehr lang leben würde, da sich die Nieren bereits stauten. Wir ließen eine Fruchtwasserpunktion machen, wobei unserem Engel auch von der Flüssigkeit aus seiner Blase etwas entnommen wurde. Urin, wie sich dabei rausstellte. Nach dieser Untersuchung hatten wir ein Gespräch. Der Arzt meinte, wir sollen uns nicht all zu sehr auf dieses Kind freuen, da es wahrscheinlich eh behindert wäre. Super!!! Wie kann man so kalt sein? Es sollten aber noch viele solcher tollen Aussagen kommen. Er meinte wortwörtlich: „Es ist wahrscheinlich, Prune-Belly-Syndrom, wenn sie meine Frau wären würde ich sagen.... abtreiben“ Ich konnte und wollte nicht aufgeben. Ich bin wieder auf eigene Faust losgezogen und hab erneut eine Klinik aufgesucht. Dort war auch die Rede von diesem Splint. Wie sich aber später rausstellte, war es dafür bereits zu spät. Die Organe wurden mittlerweile nach oben gedrückt und waren dadurch verkümmert. Wir gingen wieder in eine Spezialklinik. Mit dem selben Erfolg. Hier wurde uns erklärt, wie qualvoll unser Engel „verrecken“ wird. Ja, dieser Ausdruck wurde mir an den Kopf geschmissen. Ich konnte nicht mehr. Mir wurde immer mehr klar, wie sehr mein Schatz doch litt. Und schließlich willigte ich tränenüberströmt ein. Bereits am nächsten Tag fand ich mich in der Abtreibungsklinik wieder. Ich wurde erneut mit einem Ultraschall untersucht. Da lag er und schlief. Ganz friedlich und doch todkrank.

Ich bekam eine Salbe auf den Muttermund und nach 20 Stunden unter höllischen Schmerzen kam unser kleiner Engel zur Welt.Ich dachte, ich müsste auf Toilette. Doch bald fühlte ich, dass das nicht so war. Das nächste, was ich sah, war sein kleines Ärmchen, das leblos hin und her baumelte. Ich dachte, ich dreh durch, wurde völlig hysterisch. Bald darauf kam auch sein Körperchen und ich dachte, dass wenn ich einfach nicht mehr presse, könnte ich ihn doch noch irgendwie halten. Doch irgendwann gab ich dann auf. Er war da, am 26.05.1995, um 14.17. Mein kleiner süsser Engel!!! Er war so wunderschön. Er war 15 cm groß und wog 105 gr. Das kleinste, aber für mich schönste Baby, dass ich je gesehen hatte. Auch wenn ich total am Ende war und nur noch weinen konnte, so fühlte ich mich trotzdem stolz. Stolz auf dieses perfekte kleine Wunder. Diese klitzekleinen Finger, winzige Zehchen. Nur eins fehlte, das Schreihen, dass ich mir so sehr erhofft hatte. 

Eine sehr nette Schwester, die bei der Geburt anwesend war, brachte alles schnell hinter sich und wartete ca. 2 Minuten, bis sie den Kleinen endlich wegbringen konnte. Wer braucht auch schon mehr Zeit, um sich von seinem Kind zu verabschieden? Ich werde diesen Anblick nie vergessen. Er sah so friedlich aus und war so klein und so hübsch. Sie packte meinen Jungen in eine dieser Bohnen und legte ihn an das Fußende meines Bettes, während sie mich in den OP brachte. Unterwegs, wäre er sogar beinahe runtergefallen. Ich fragte sie unter Tränen, ob es auch wirklich ein Junge wäre. Sie meinte, manchmal ist es besser, man weiß es nicht. Das wars auch schon. Mehr wurde mir nicht gesagt, außer, dass er zusammen mit dem Krankenhausmüll, mit amputierten Beinen und Armen irgendwo verbrannt wird. Aus und vorbei. Erst nach ein paar Woche, unter Trauer und Schmerz, fand ich einen Menschen in diesem Krankenhaus, der mir ein Foto meines Sohnes besorgte. Es ist leider nicht so schön. Es stammt aus der Pathologie und zeigt meinen Sohn in einem dieser Aufbewahrungsgläser. Durch die Berichte, erfuhr ich später, dass mein Sohn unter der so genannten „Prune-Belly-Potter-Sequenz“ litt. Er hatte keine Prostata und konnte deshalb seinen Urin nicht ausscheiden.

 

Ich habe in der Zwischenzeit 2 gesunde Söhne geboren. Aber jede einzelne Schwangerschaft war ein Kampf der Gefühle. Ich hatte so schreckliche Angst. Dazu kamen noch freundliche Sprüche, von netten Ärzten, als ich  beim 2. Kind Blutungen hatte: „Na und??? Ihr erstes Kind haben sie ja auch abgetrieben!!!“

 

Das alles ist jetzt 10 Jahre her und ich schaffe es einfach nicht, mit dieser Zeit abzuschließen. Ich mache mir Vorwürfe und frage mich, ob ich richtig entschieden habe. Die Antwort bekomme ich wohl erst im Tod.

 

Ich wünsche allen Eltern, die so etwas erleben müssen, alles Glück dieser Erde, Mut und Hoffnung.

 

 

                               

Hier ist mein kleiner Engel, in der 12. SSW. Eins der letzten Bilder, die ich bekommen habe.

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